Kinder als Angehörige von Krebsbetroffenen
Vortrag von Bernhard Kleining auf dem Deutschen Krebskongreß 2000 in Berlin
Wenn ich Ihnen sage, dass sich eine schwere Erkrankung wie Krebs, die zudem noch die Todesdrohung beinhaltet, auf das ganze Familiensystem auswirkt, dann sage ich Ihnen wahrscheinlich nichts grundlegend Neues. Dennoch geraten die Nicht-Erkrankten erst ganz allmählich ins Blickfeld. Hilfen für krebskranke Kinder gibt es viele, für die Geschwisterkinder nur wenige. Bei erkrankten Erwachsenen stehen als deren Angehörige die Ehe- oder Lebenspartner im Mittelpunkt des Interesses.
Kinder als Angehörige führen tatsächlich eher ein Schattendasein, und zwar in doppelter Hinsicht
- Durch den Schock der Diagnose sowie durch die oft sehr intensive und belastende Therapie ist ganz real für die Geschwisterkinder wenig Zeit und damit auch wenig Aufmerksamkeit da. Hier ist niemandem ein Vorwurf zu machen, auch nicht den Eltern.
- Auch die Forschung hat sich meines Wissens bisher wenig dieser Frage angenommen. Auch da bleibt es offensichtlich bisher bei dem Schattendasein, was natürlich auch dazu führt, dass auch spezielle Hilfsangebote für diesen Personenkreis wenig entwickelt und fachlich diskutiert werden.
Es gibt Ausnahmen:
- Einige wenige Reha-Kliniken beschäftigen sich seit langem schwerpunktmäßig auch mit dem familiären Kontext von Erkrankten.
- Die Broschüre aus der "blauen Reihe" der Deutschen Krebshilfe über Angehörige. Dort ist gut einiges zu dem Thema Kinder beschrieben.
- In einem Artikel "Kinder körperlich kranker Eltern" im Deutschen Ärzteblatt vom Sept. 1999 schreibt Prof. Riedesser zu den Untersuchungsergebnissen über Kinder krebskranker Eltern[ 1 ]:
- In 25 Prozent der Fälle verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Müttern und Kindern, wenn die Mütter erkrankt sind.
- Kinder krebskranker Eltern, die sich im Präterminalstadium befinden, sind signifikant depressiver, ängstlicher und zeigen mehr Verhaltensauffälligkeiten.
- Selbstwert und soziale Kompetenz sind erniedrigt.
- Töchter krebskranker Mütter sind belasteter als Söhne und Töchter krebskranker Väter
- Jugendlichen gelingt es besser, ein angemessenes Coping zu leisten, wobei Eltern häufig die Belastung ihrer Kinder unterschätzen
Ich werde Ihnen im folgenden einige eher typische psychische Folgen einer Krebserkrankung in der Familie für die Kinder erläutern, um anschließend darauf zu sprechen zu kommen, was ihnen helfen könnte. Dabei schneide ich auch die Frage an, ob und inwieweit es möglich ist, auch nachträglich noch Hilfestellung zu leisten d.h. auch dann, wenn die Behandlung inzwischen erfolgreich abgeschlossen wurde oder das erkrankte Familienmitglied an der Krebserkrankung verstorben ist.
Zunächst komme ich zu der Gruppe von Kindern, bei denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. Ein Beispiel aus den letzten Wochen:
Frau K, die Ehefrau eines an Nieren-Ca (Nierenkrebs) erkrankten Mannes bittet um einen Gesprächstermin. Die Krankheit ist fortgeschritten. Sie macht sich Sorgen um ihre Kinder, insbesondere um den jüngeren der beiden Söhne. Er ist 13 Jahre alt, der Altere ist 18. Der l3jährige sei sehr verschlossen, ziehe sich mehr zurück. Sie habe den Eindruck, er würde mit der Situation nicht fertig, wisse aber nicht, wie sie ihm helfen könne. Sie würde gerne von mir Anregungen für eine Unterstützung dieses Sohnes erhalten. Beide Kinder wohnen zu Hause. Um den älteren mache sie sich keine Sorge, der spreche viel mit ihr, mache sich gemeinsam mit ihr Gedanken um den Jüngeren. Ich kläre zunächst ab, wer tatsächlich im Moment am meisten Hilfe benötigt. Oft ist es nicht die Person, um deren Hilfe nachgefragt wird. Wenn ich den Eindruck gehabt hätte, die Mutter brauche innerster Linie Hilfe, hätte ich ihr das auch in bezug auf ihre Söhne zurückgemeldet. Denn:
Die wichtigste Hilfe für die Kinder ist die Stabilität der Eltern.
Wie diese Stabilität aussehen kann, dazu später noch ein paar Sätze. In diesem Fall wurde schnell deutlich, dass nicht die Mutter am stärksten belastet ist. Sie nimmt ihre eigene Belastung ernst, holt sich bei guten Freundinnen seelische Unterstützung, erlaubt sich, traurig zu sein, wenn ihr danach ist, versucht auch nicht pausenlos, sich zusammenzureißen. Es gibt so etwas wie eine Wellenbewegung von Traurig-Sein und Scherzen bei ihr. Im Gespräch wird deutlich, dass sie nicht die Probleme der Kinder als Eintrittskarte für eine zaghafte Anmeldung eigener Hilfsbedürftigkeit benötigt. Die Anfrage ist eindeutig auf der Elternebene angesiedelt.
Da ich die Besonderheiten für die Kinder im Familiensystem im Auge habe, bietet sich die systemische Sichtweise als eine Möglichkeit an.
Der systemische Blickwinkel ist nicht der einzig mögliche. Die meine Arbeit kennen, wissen, dass ich bemüht bin, eine Problematik oder eine Belastungssituation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, ohne dabei den Anspruch zu haben, der eine Blickwinkel sei der Richtige und alle anderen eher falsch. Meine therapeutische Erfahrung zeigt mir eher, dass es sowohl für die Therapeuten als auch die Patienten hilfreich ist, den Blickwinkel öfter mal zu wechseln.
Ich möchte mir gemeinsam mit der Mutter das Beziehungsgeflecht in der Familie angesichts der lebensbedrohlichen Erkrankung ansehen. Ich gehe mit der Mutter in unseren Gruppenraum, in dem eine Reihe von Stühlen stehen und bitte sie, für jedes Familienmitglied, auch für ihren verstorbenen Mann, einen Stuhl zu nehmen und diese Stühle so im Raum anzuordnen, wie ihr persönlicher Eindruck von den Beziehungen in der Familie ist. Eine solche Aufstellung dient dazu, die inneren Bilder, d.h. das innere Konzept, was die Klientin von ihrer eigenen Familie hat, ein wenig sichtbar zu machen, sowohl für die Klientin als auch für mich. Vor allem die Bindungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern werden deutlich.
Für das anschließende Betrachten sind 2 Wege erfahrungsgemäß hilfreich: Ich kann die Klientin bitten, sich auf die einzelnen Stühle zu setzen und kurz nachzuspüren, wie es ihr an diesem Platz geht. Zusätzlich kann ich ihr mitteilen, was ich als jemand, die diese Struktur von außen betrachtet, hier sehe, was mir an Besonderheiten, auch im Vergleich zu anderen Aufstellungen mit diesem Thema, auffällt.
Da es um den jüngeren Sohn ging, bitte ich sie zunächst, sich auf dessen Stuhl zu setzen. Ihr Kommentar zu dem Platz: "Etwas alleine und verloren hier." Mutter und älterer Bruder haben Kontakt, dieser Sohn deutlich weniger, auch wenn er nicht ganz ausgeschlossen ist.
Was mir von außen auffiel, formulierte ich etwas scherzhaft: "Wer ist hier eigentlich mit wem verheiratet?" Frau K. mußte lachen, sie hatte meine Frage richtig verstanden. Es ging mir um die Grenze zwischen den Generationen. Die Mutter ist näher am älteren Sohn als an ihrem erkrankten Ehemann. Ich habe die Konstellation dann ein wenig abgeändert, ihr also einen Vorschlag gemacht, den sie einmal ausprobieren konnte:
Etwas näher bei dem älteren Bruder ging es dem jüngeren Sohn besser. Das Gefühl von Verloren-Sein war verschwunden. Auch Frau K. fühlte sich in der neuen Position etwas besser. Sie spürt, dass sie in ihrer Generation genügend Halt hat, ihren älteren Sohn auch loslassen kann.
Die mögliche Hilfe besteht in dieser Familie nicht unbedingt in einer direkten Unterstützung des jüngeren Sohnes, sondern eher darin, dass der ältere Sohn nicht mehr die ihn überfordernde Rolle eines Partners der Mutter einnimmt. Wenn er wieder auf die Kinderposition rückt, dann spürt der Jüngere auch wieder Kontakt zu ihm, fühlt sich nicht mehr so verloren.
Was wir an diesem Beispiel sehen können, ist ein eine allgemeine Tendenz, die sich für Kinder von belasteten Eltern ergibt:
Kinder versuchen instinktiv die Lücke auszufüllen, die durch die Belastung entsteht.
Niemand muß sie dazu auffordern. Die Tendenz ist am stärksten bei den ersten in der Geschwisterreihe. Für den Erhalt des Familiensystems ist das eine sehr sinnvolle Regulation. Für das betreffende Kind ist es eine Überforderung. Aus der Psychotherapie mit Erwachsenen, die als Kinder solche Belastungen erlebt haben, kennen wir die Spuren, die eine derartige Situation hinterlassen kann:
- Ein ständiges Gefühl, mehr tun zu müssen als man leisten kann
- Schuldgefühle
- Wenig entwickelte Fähigkeiten, für das eigene Wohlbefinden zu sorgen
- Neigung zur schnellen Übernahme von Verantwortung im Beruf
Auf eine Kurzformel gebracht, ist die Situation solcher Kinder gekennzeichnet durch:
"Zu viel - zu früh"
Kinder, die solche Positionen in der Familie besetzen, fallen in der Schule nicht unangenehm auf, ernten sogar oft Lob dafür, dass sie alles so gut geregelt bekommen. Auch die Mutter in dieser Familie war voll des Lobes für ihren älteren Sohn. Sie erinnern sich, als ich zu Beginn der Forschungsergebnisse von zusammenfaßte: Jugendliche zeigen ein angemesseneres Coping, ihre Belastung wird von Eltern meist unterschätzt.
Die Stärken, die Kinder durch die Bewältigung einer solchen Belastungssituation entwickeln, sind oft gleichzeitig die Schwachpunkte, unter denen sie später oft auch leiden.
Ein Beispiel, das vom Ergebnis her ähnlich ist, in dem aber nicht ein Elternteil, sondern ein Geschwisterkind erkrankt ist:
Die Mutter kommt mit ihren beiden Kindern zum Erstgespräch: die Tochter ist 12 Jahre, der Sohn 11 Jahre alt. Die Eltern haben sich getrennt. Aus der neuen Beziehung der Mutter ist ein Kind entstanden, das an Krebs erkrankte. Mehr als ein Jahr lang haben alle gehofft, es kommt durch. Vor wenigen Tagen ist der Kleine verstorben. Die Mutter sagt: Ich schaffe es nicht, mich im Moment ausreichend um meine Kinder zu kümmern, ich bin selbst zu belastet. Ich spüre, dass sie mehr brauchen als ich ihnen im Moment geben kann. Im näheren Gespräch zeigte sich, dass der Sohn genügend Anlaufstellen hatte. Am meisten wünschte sich die Tochter Hilfe. Die Mutter hatte sich bereits zu einer Psychotherapie entschlossen.
Im Verlauf der Gespräche zeigte sich folgendes: Dadurch, dass sich der Vater der beiden Kinder während der Erkrankungszeit mehr um die beiden kümmerte, auch zur Beerdigung des Kindes (das ja nicht sein eigenes war), erschienen war, wurden alte Differenzen zwischen den früheren Eheleuten wiederbelebt. Die Tochter spürte das, nahm insbesondere die Not der Mutter wahr. Sie sorgte dann dafür, daß der Kontakt zwischen den früheren Eheleuten kaum zustande kam. Sie wies den Vater am Telefon ab, um ihre Mutter zu schonen. Ähnlich große Verantwortung zeigte sie, als sie merkte, dass ihre Mutter es lange Zeit lang schwer hatte, Mütter mit kleinen Kindern zu sehen. Sie fühlte sich zuständig, solche Situationen zu vermeiden, obwohl sie selbst diese Schwierigkeiten nicht hatte.
Kinder, für die ihre Eltern (auch aus ganz verständlichen Gründen) wenig Aufmerksamkeit finden können, fühlen sich oft als Außenseiter und verhalten sich entsprechend.
Dabei gibt es entgegengesetzte Richtungen, die ein solches Kind einschlagen kann: Rückzug oder eher aggressive Reaktionen; auch Einnässen oder Schlafstörungen sind möglich. Manchmal werden hier Grundlagen für eine spätere depressive Entwicklung gelegt.
Die belasteten Kinder von heute sind die PT- Patienten von morgen.
Wenn sich ihrer angenommen wird, dann bedeutet das nicht nur für sie, sondern auch für die Eltern eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Wie können Hilfen für Kinder aussehen?
- An erster Stelle brauchen sie die Erläuterung der für die Erwachsenen klarsten Sache der Welt: Das sie nicht Schuld sind an der Erkrankung. Wieso denn Schuld, werden Sie sich oder mich vielleicht fragen. Von Schuld hat doch niemand geredet. Wer würde denn seinen Kindern die Schuld geben für die eigene Erkrankung.
Die Erfahrung zeigt: Kinder fühlen sich schuldig, wenn sie sich etwas nicht erklären können. Natürlich passiert viel unheimliches um sie herum, wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. Sie spüren die Angst der Eltern: Es fallen Worte wie ,,bösartig", "ungewisse Zukunft" usw. Wenn Kinder keine Erklärung dafür haben, dann kommen sie in der Regel als erstes auf den Gedanken, es läge an ihnen. Sie haben erst mal nicht die Vermutung, das etwas außen nicht stimmt. Wenn sie keine ,,Entwarnung" erhalten, beziehen sie die Probleme erst mal auf sich. Wenn wir uns dieses Muster subjektiver Theorienbildung einmal näher ansehen, dann merken wir, daß es bei weitem nicht nur bei Kindern anzutreffen ist. Menschen neigen dazu, aus zeitlichen Zusammenhängen ursächliche zu machen.
Hier ein Beispiel:
Ich drücke zweimal mit dem Finger auf den Tageslichtschreiber, jedesmal geht dabei das Licht aus/an.
Eine Variante, die die meisten von Ihnen auch kennen, die Sie aber in der Regel nicht unter der Rubrik "subjektive Theorienbildung" einordnen würden, ist der vorwurfsvolle Satz: "Warum siehst du mich so komisch an, habe ich Dir etwas getan?". Auch hier wird aus einem unklaren Blick darauf geschlossen, dass die Ursache im eigenen Verhalten liegt.
Die Psychoonkologisch Tätigen unter Ihnen kennen wahrscheinlich unzählige Beispiele, bei denen auch Erwachsene dazu neigen, sich die Schuld an einer Erkrankung zu geben, wenn sie keine andere Erklärung finden. Bei Kindern passiert das unverblümter und vor allem regelhafter. Kindern muß man es ausdrücklich sagen:
Du hast damit nichts zu tun
- Was tut Kindern sonst noch gut? Ihnen hilft es eher, wenn nicht die ganze Familie in der Belastungssituation allzu eng zusammenrückt. Die Tendenz ist erst einmal anders, das ist auch ganz natürlich: In der Not rücken alle enger zusammen. Vor allem dann, wenn die Erkrankung über einen längeren Zeitraum verläuft, braucht jeder noch seinen eigenen Freiraum und dabei die Gewißheit, dass nicht ein anderes Familienmitglied diesen Freiraum als Rücksichtslosigkeit oder "Egoismus" abwertet. Die 16-jährige Tochter macht sich mit Sicherheit genug Sorgen um die erkrankte Mutter. Da ist es nur gut, wenn sie zur Disco will.
- Noch mehr als Worte brauchen die Kinder das Vorbild der Eltern dafür, dass sie es sich auch gut gehen lassen dürfen. Wenn Eltern sich selbst alle Freude verbieten, sich für die Kinder aber ganz aufopfern, dann erhalten die Kinder widersprüchliche Botschaften von den Eltern. Verbal erhalten sie Erlaubnisse, beobachten können sie bei den Eltern das genaue Gegenteil. In der Regel hat dann das mehr Gewicht, was die Eltern vorleben. So kann es schnell kommen, dass Kinder eigene Schuldgefühle für die normalen Freuden am Leben entwickeln, die sich manchmal auch durch auffälliges oder aggressives Verhalten "bekämpfen".
- Auch Kinder brauchen die Frage: Wie geht es dir damit, dass Mama krank ist. Sinnvollerweise sollte diese Frage nicht durch den erkrankten selbst gestellt werden. Den wollen die Kinder natürlich mit ihrer Antwort gerade schonen: "Ich komme ganz gut klar damit."
Die am meisten be-lastet sind, können nicht auch noch am besten für die Ent-lastung anderer sorgen.
- Die Nähe zum Erkrankten erhöht das Verantwortungsgefühl - und auch die Belastung. Etwas mehr Distanz kann hier hilfreich sein. Unterschätzen Sie nicht die Tanten und Onkel in der Familie. Es muss nicht immer therapeutische Hilfe sein. Die Besonderheit professioneller Hilfe besteht ja auch gerade darin, dass die Helfer noch genügend Distanz haben, um Hilfestellung leisten zu können.
- Zum Schluss noch ein Hinweis zur Wahrhaftigkeit gegenüber den Kindern als Angehörige. Viele Eltern können mir sehr sicher die Frage beantworten, ob sie ihren Kindern anmerken, ob es ihnen gut oder schlecht geht, ob sie sich emotional wohl fühlen. Umgekehrt glauben dieselben Eltern oft, ihre Kinder würden es nicht merken, wenn sie sich ihnen gegenüber zusammenreißen.
Ihre Kinder sind Ihnen genauso nah wie sie den Kindern nah sind. In derselben Familie spüren in der Regel die Familienmitglieder voneinander, wie es dem anderen geht. Da ist es für die Kinder nur eine verhängnisvolle Doppelbotschaft, wenn das was sie wahrnehmen, nicht mit dem übereinstimmt, was sie von den Eltern gesagt bekommen. Verhängnisvoll ist die Widersprüchlichkeit deswegen, weil sie bei Kindern immer wieder dazu führt, daß sie an sich zweifeln. Es ist dann für sie "zum Verrücktwerden". Kindern schadet es nicht, wenn sie von der Mutter erfahren, dass sie sich Sorgen um den Verlauf ihrer Erkrankung macht, daß sie manchmal auch Angst hat.
Entscheidend für die Kinder ist, dass sie deswegen nicht zuständig werden für die Eltern. Ich erlebe es häufig, wie entlastend es für Kinder sein kann, wenn die Eltern sich außerhalb der Familie Hilfe holen.
Kinder sind meiner Meinung nach nicht in erster Linie durch die Wahrheit belastet, sondern durch die Verantwortung. Bleibt die Verantwortung bei den Erwachsenen, dann können sie weiter Kind oder Jugendlicher sein. Das besondere an dieser Zeit ist ja gerade, dass sie noch frei von Verantwortung ist, jedenfalls von der Verantwortung für die grundsätzlichen Dinge des Lebens. Hilfe für Kinder als Angehörige heißt also in erster Linie:
Die Erwachsenen holen sich bei den Erwachsenen Hilfe.
Ein Vortrag von Bernhard Kleining, Dapo-ev@t-online.de , www.dapo-ev.de
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