Abgeschickt von Anita Zimmermann am 23 Maerz, 2010 um 23:44:25
Antwort auf: Meine Mom hat Brustkrebs! :( von Julia am 17 Maerz, 2010 um 18:46:25:
: Liebes Team,
: erstmal zu meiner Person, ich bin 14 Jahre alt und gehe in die 8. Klasse, und meine Mutter leidet unter Brustkrebs.
: Mich macht es fertig, zu sehen wie schwach und hilflos sie ist, nach einer Chemo. Ich habe das Gefühl die Verantwortung für sie zu übernehmen, und komm mit dem Druck nicht klar. Möglichkeit mit meinen Freunden zu reden habe ich auch nicht, da sie denken, ihre Probleme sind schlimmer und ich muss ihnen zu hören und nicht umgekehrt. Letztens war ich bei einer Psychologin, und habe mit ihr gesprochen, es tut gut mit jemandem zu reden ohne dass er sich direkt Sorgen um mich macht, da sowas nicht grad mein Fall ist. Da dachte ich, ich schreibe hier mal und schau mir eure Antworten an. Das mit meiner Mum ist nicht das einzige was mich betrübt, ich habe letztes Jahr im März meine Oma verloren und genau die war meine Vertrauensperson, somit habe ich mit ihrem Tod meine Vertrauensperson und auch viele engere Freunde verloren. Da ich ich mich zurückgezogen habe und mich niemandem mehr öffnen konnte/kann. Ich hatte auch einen besten Freund der mir immer zugehört hat, den habe ich aber auch leider nicht mehr, da er nur mit mir schlafen wollte. :( Ich weiß nicht, was ich machen soll, meine Freunde verstehen mich nicht oder wollen mich nicht verstehen, meine Vertrauenspersonen sind verschwunden und meinen Eltern will ich mich nicht anvertrauen, da sie sich zu viele Sorgen machen, was ich jetzt schon erlebe. Also, bitte helft mir und schreibt mir.
: Liebe Grüße, Julia.
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Liebe Julia,
es ist sehr gut, dass du dich mit deinen Sorgen bei uns im Forum gemeldet hast! Vielen Dank für deine Offenheit! Ich werde versuchen, dir mit meinen Gedanken einige Anregungen zu geben, die vielleicht hilfreich für dich sein können.
Ich kann sehr gut verstehen, dass es schwierig ist und dich hilflos macht, zu sehen, wie die Chemo deine Mutter schwächt. Es ist sehr gut und wichtig, dass du selbst bereits erkannt hast, dass du, wie du sagst, das Gefühl hast, die Verantwortung für sie zu übernehmen und, dass du mit diesem Druck nicht klar kommst.
Parallel dazu fehlt dir deine Oma als Vertrauensperson und du musst auch noch ihren Tod verarbeiten. Dazu kommen der Rückzug von vielen engen Freunden, auch, weil sie momentan wohl nicht offen für deine Sorgen sein können und, die Enttäuschung über das Verhalten deines besten Freundes. All das ist auch nicht leicht zu verdauen!
Es kann manchmal vorkommen, dass Freunde mit bestimmten Lebenssituationen und -fragen überfordert sind und dann eben kein offenes Ohr für einen selbst haben können. Dann ist es gut, nicht aufzugeben und anderswo, z.B. auch bei Fachleuten, Rat und Hilfe zu suchen, was du ja auch gemacht hast.
Du willst dich deinen Eltern nicht anvertrauen, weil du nicht möchtest, dass sich deine Eltern Sorgen um dich machen. Das kann ich zwar verstehen, aber ich glaube, dass dies so nicht möglich ist. Deine Eltern können sich auch so Sorgen machen, weil sie sich denken können, dass es dir mit der Krebserkrankung deiner Mutter auch nicht gut geht. Wenn du dich Ihnen nicht anvertraust, kann es sein, dass sie sich irgendwelche Gründe für deine Verschlossenheit zusammenreimen, die ihnen wiederum Sorge und Ängste machen können.
Wir von Flüsterpost sind für einen offenen und ehrlichen Austausch zwischen Eltern und Kindern und möchten alle Beteiligten ermutigen, sich gegenseitig mehr zuzutrauen! Das kann das Vertrauen ineinander und in sich selbst stärken und alle können gemeinsam versuchen, die schwierige Lebenslage in einem Prozess mit der Zeit zu bewältigen.
Aber, es ist o.k., wenn du dich entscheidest, erst mal mit einem außenstehenden Vertrauten deine Gedanken und Gefühle zu teilen. Meist ist dies sogar sehr entlastend, wenn man keine Angst haben muss, seinen Gesprächspartner zu belasten. Über solch einen Weg kann man dann all seine Gedanken und Gefühle raus lassen, sortieren und neu ordnen, um für sich im nächsten Schritt neue Lösungswege zu entwickeln.
Dies könnte dann z.B. auch sein, dass du dich deinen Eltern doch irgendwann anvertraust, um sie an deiner Lebenswelt teilhaben zu lassen. Vielleicht würden sie dann auch den Mut bekommen, sich dir zu öffnen und anzuvertrauen?!
Eltern haben ja aber auch oft die Tendenz, ihre Kinder schützen zu wollen und sprechen deshalb nicht ganz offen mit ihnen. Wenn du diesen Eindruck von deinen Eltern haben solltest, so könntest du ihnen anbieten, sich auch vertrauensvoll an uns zu wenden. Wir könnten dann mit ihnen gemeinsam oder einzeln klären, was ihnen wichtig ist und wo sie evt. gerne noch Anregungen hätten, um z.B. Mut zur Offenheit gewinnen zu können.
Manchmal öffnen sich auch Türen da, wo man es nicht erwartet! Aber Manches braucht auch noch seine Zeit und dann ist es gut, etwas Geduld zu haben.
Es ist schön, dass du dich uns hier geöffnet hast. Und wie ich von dir über Nina Seibert, meiner Kollegin, erfahren habe, hast du dich auch schon mit ihr telefonisch in Verbindung gesetzt und ein Treffen ausgemacht. Ich finde es super, dass du so mutig warst und dich getraut hast, einen nächsten Schritt zu machen! Ich wünsche dir alles Liebe und Gute für deine weiteren Schritte. Wir sind gerne deine Begleiter und für dich da!
Mach weiter so und trau dich! Herzliche Grüße von Anita